Visuelle Kommunikation

Wir kommunizieren vor allem über Worte (also Text) und Bilder. Mit Typografie und Gestaltung wird daraus das Design, mit dem die visuelle Kommunikation stattfindet. Wichtig ist dabei vor allem, die richtige Sprache zu sprechen - die Sprache Ihrer Kunden. Je besser die Bestandteile der visuellen Kommunikation beherrscht werden, desto mehr Wirkung kann man erzielen.

Gestaltung & Layout - Medienspezifisch!
Im Sinne des gewählten Mediums, bzw. so wie das Medium es gestattet findet darauf die Gestaltung und das Layout statt. Wichtig ist dabei, dass das entstandene Medium sich visuell in den Medien des Unternehmens einreiht - Ausreißer sind nur erlaubt, wenn es dafür einen Grund gibt.

Gute Typografie bemerkt man
so wenig wie gute Luft zum Atmen.
Schlechte bemerkt man erst,
wenn es einem stinkt.

Kurt Weidemann
(Deutscher Typograf)

Aus gegebenem Anlass hier zehn Grundregeln der Typografie:

  1. Typografie ist eine Kunst des feinen Maßes. Ein Zuwenig und Zu schwach entfernt sie ebenso von der Meisterschaft wie ein Zuviel und Zu stark.
  2. Typografie ist eine Dienstleistung. Die Kunst daran ist vor allem die Kunst, von sich selbst einmal absehen zu können, die Disziplin, sich nicht zwischen Autor und Leser zu drängen.
  3. Typografie hat schon vor Jahrhunderten ihre schönsten Formen gefunden. Dafür haben sich Gebote und Regeln gebildet, die dem Auge und der Hand dienen: dem Sehen und Begreifen.
  4. Typografie geht im Abendland auf einen kaum zu verändernden Zeichenvorrat des römischen Alphabets zurück. Das ist so wenig zu verändern, wie die Formen von Beil, Sichel, Pflugschar. (Das Rad muss nicht immer wieder neu erfunden werden.)
  5. Typografie setzt logisches Denken und psychologisches Wissen voraus. Das Lesen nacheinander geordneter Buchstaben und Worte setzt die Fähigkeit zum Folgedenken voraus. Das ist mühselig und wird durch gute Typografie erleichtert.
  6. Typografie ist Umweltschutz für die Augen, die es zwar zu öffnen und zu interessieren, aber nicht zu beleidigen und zu verwirren gilt. Das Sichtbarmachen von Sprache in all ihrer Ausdrucksvielfalt ist an den Grundzeichenvorrat des Alphabets und an die Gesetze des Sehens und Verstehens gebunden.
  7. Typografie strukturiert Informationen und bereitet sie ihrem Inhalt angemessen auf; nach sachlich-logischen und mit ästhetisch-emotionalen Gesichtspunkten. Schlechter Satz ist unsozial. Wissen und Können führen zu Erkenntnis. Erkenntnis führt zu Haltung und Stil. Haltung befähigt zur Überzeugung.
  8. Typografie bildet durch Schrift. Schrift ist Charakter. Sie charakterisiert ihren Entwerfer und ihren Anwender. Sie entlarvt Phrasen, falsches Pathos, Gemeinplätze, Anbiederungen. Selbstüberschätzung ist ein sicheres Anzeichen für Dilettantismus. Mit der Wahrheit leben vermeidet Gedächtniskonflikte.
  9. Typografie stellt so vielfältige Aufgaben mit so unterschiedlichen Zielen, dass engstirnige Stilfanatiker in Konflikte geraten. Stilfanatismus endet in Routine - die ist kalt und abweisend. Etwas verstehbar machen ist die Vorstufe zum Erlebbar machen.
  10. Typografie kennt nur wenige Regeln und Meister, die sich in einem halben Jahrtausend gebildet und erhalten haben. Sie sind nicht zu kopieren, aber sie sind zu kapieren. Zu verstehen als die Kunst, Worte und Sprache in der ihnen angemessensten Form sichtbar – lesbar – verstehbar zu machen: einsichtig zu machen. In der Typografie gibt es so wenig grundsätzlich neu zu erfinden, wie in der Kochkunst oder im Bett.

Professor Kurt Weidemann am Type & Typo-Kongress 1991

Nicht verwechseln:
Ergänzend zu den Grundregeln des Großmeisters sei gesagt, dass Derivate der Typografie, wie die experimentelle Typografie oder die gestaltende Typografie andere Zwecke verfolgen und daher auch anderen Regeln unterliegen. Bei der gestaltenden Typografie, die den Übergang zwischen Schrift und Bild markiert, die illustrierend oder imitierend Buchstaben zu Metaphern oder Bildern werden lässt, sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Die experimentelle Typografie lässt den ursprünglichen Sinn der Buchstaben sogar mitunter völlig beiseite.

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